München

Das Münchner Olympiagelände

12. April 2022

Im Jahr 1966 gab es den Zuschlag: Die Olympischen Sommerspiele 1972 werden in München stattfinden. Sie prägten unsere Stadt wie kaum ein anderes Ereignis. Neue Viertel entstanden wie etwa Neuperlach. Die Fußgängerzone wurde eröffnet, die ersten U- und S-Bahnen nahmen ihre Fahrten auf. Und auf dem Areal des Oberwiesenfelds entwickelte sich ein völlig neues Quartier. Ein wegweisendes obendrein. Das Motto für das Konzept des Olympiaparks war „Olympische Spiele im Grünen“. Zudem wollten die Stadt München, allen voran der damalige Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel, und das Internationale Olympische Komitee, dass das Olympiagelände nicht nur zum Austragungsort von Sportveranstaltungen wird, sondern ein Gesamtkunstwerk. Für jeden erlebbar und weit weg vom Propagandaspektakel der Nazizeit.

Im ganzheitlichen und visionären Ansatz der heiteren Spiele, der Spiele der kurzen Wege, der Spiele des Dialogs nahmen die Bereiche Kunst und Kultur eine zentrale Rolle ein. Zum ersten Mal wurden Bilder in Farbe rund um die Welt gesendet. Noch nie waren so viele internationale Sportler bei Olympischen Spielen aktiv. Man wollte Brücken bauen zwischen Ost und West, zwischen Sport und Kultur, zwischen allen Beteiligten. Man wollte eine neue Offenheit und Leichtigkeit vermitteln und die Menschen einander näherbringen. Dass ausgerechnet diese schönen Gedanken das Attentat vom 5. September 1972 begünstigten, konnte keiner ahnen. Das tragische Ereignis ist in der kollektiven Erinnerung fest verankert und ist auch im Jubiläumsjahr präsent.

Der Olympiapark ist ein Vorzeigebeispiel der nachhaltigen Stadtentwicklung

Mit dem Olympiapark setzte man ein Zeichen für den Frieden. Das war so, das ist so und das soll auch künftig so sein. Münchens drittgrößter Park wurde von Anfang an nachhaltig geplant. Die nacholympische Nutzung war ein wichtiger Teil des Konzepts. Auf den Trümmern des Zweiten Weltkriegs wurde letztlich ein wegweisendes Quartier errichtet, weitgehend autofrei, gut angebunden an die öffentlichen Verkehrsmittel, mit viel Grün, mit Wohnungen und Sportstätten. Und das alles in Rekordzeit.

Der Olympiapark ist ein baukulturelles Meisterwerk, ein Ensemble von Weltrang. Im Jahr 1998 wurde er in die Denkmalliste aufgenommen. Die Nominierung zum UNESCO-Weltkulturerbe ist in Vorbereitung. Hinter dem für damalige Verhältnisse ungewöhnlichen und auch nicht unumstrittenen Entwurf steckt die Architektengruppe um Professor Günter Behnisch aus Stuttgart. Für die Freiraumgestaltung war der Kasseler Landschaftsarchitekt Günther Grzimek zuständig. Ihm verdanken wir all die Hügel, Täler und Mulden, die Biotopflächen und den Olympiasee. Die Ähnlichkeit zum Voralpenland war volle Absicht. Aber auch die Antike diente als Vorbild. So bettete man – wie ganz früher – die Sportstätten in Erdmulden ein.

Fürs legendäre Design konnte man Otto „Otl“ Aicher gewinnen, einen der prägendsten deutschen Gestalter des 20. Jahrhunderts. Er setzte die omnipräsenten pastelligen Regenbogenfarben durch, gestaltete die Outfits von Hostessen und Polizisten sowie die Plakate für die einzelnen olympischen Disziplinen. Mit den Piktogrammen gelang ihm ein besonderer Coup: Zum ersten Mal hatten Olympische Spiele eine barrierefreie Sprache, die jeder verstehen konnte.

Dorf, Event-Location, Sportstätte, Touristenattraktion – der Olympiapark ist ein Tausendsassa

Hans-Jochen Vogel hat immer wieder an die Verpflichtung gegenüber dem olympischen Erbe erinnert. Die Stadt München und ihre Partner erfüllen das gern. Und wie es scheint auch alle, die im Olympiagelände leben, arbeiten, trainieren, zu Besuch sind, Freizeit und Kultur genießen. Die Vielfalt ist ja auch riesig und hier wie dort kann man viel erleben. Touristen wie Einheimische lieben all die Konzerte und Sportveranstaltungen, den weitläufigen Park, die vielen Sportstätten. Die futuristische BMW Welt ist ein besonderer Publikumsmagnet.

Olympiastadion, Olympiaturm, Olympiahalle, Olympia-Schwimmhalle, Olympia-Eissportzentrum, Olympia-Tennisanlage, Olympiaberg, Olympiasee, die Seebühne und das Theatron, das Sea Life – auf dem Areal des ehemaligen Oberwiesenfelds ist jede Menge geboten. Wo früher das Olympia-Radstadion stand, entsteht eine neue Sportarena. Auch der bereits bestehende Campus im Olympiapark wird durch einen spektakulären Neubau ergänzt. Im Olympiadorf, dem „Dorf“, wie es von den Bewohnern liebevoll genannt wird, gibt es zigtausend Wohnungen, Reihenhäuser, Studentenapartments und Bungalows, Läden, Begegnungsstätten, Schulen, Kindergärten und viel mehr.

Das ganze Jahr über wird das Jubiläum mit einem vielfältigen Programm gefeiert

Unter dem Motto „München auf dem Weg in die Zukunft 1972-2022-2072“ erleben Sie heuer viele Ausstellungen und Veranstaltungen zu Sport, Kultur, Design, Architektur und Erinnerungskultur im öffentlichen und digitalen Raum. Das Programm ist umfangreich und abwechslungsreich. Für Groß und Klein ist etwas dabei. Die Teilnahme ist kostenlos. Zum Höhepunkt gibt es ein Festival des Spiels, des Sports und der Kunst vom 1. bis 9. Juli 2022 im Olympiapark. Auch der Anschlag vom 5. September 1972 wird ein großes Thema im Programm sein. Daten und Fakten gibt es hier.

Neun Europameisterschaften unter einem Dach heißt es zudem vom 11. bis 21. August. Mit den European Championships Munich 2022 wird in München die größte Sportveranstaltung seit den Olympischen Sommerspielen 1972 ausgetragen. Alle dürfen mitfiebern, wenn sich Europas beste Athletinnen und Athleten in den Sportarten Beachvolleyball, Kanu-Rennsport, Klettern, Leichtathletik, Radsport, Rudern, Tischtennis, Triathlon und Turnen messen und um die begehrten Goldmedaillen wetteifern. Die Stadtsparkasse München, der Sparkassenverband Bayern und die Sportförderung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands sind gemeinsamer Premium-Partner der EC 2022 und fördern dieses tolle Event.

Details finden Sie unter Munich 2022.

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