München

„Ich versuche, in die Magie eines Ortes einzutauchen“

3. Februar 2023

Sie glauben, München zu kennen? Sind Sie sich da sicher? So eine jahrhunderte- alte Millionenstadt hat unendlich viele verborgene Ecken, geheimnisvolle Orte und schwer zugängliche Gebäude. Die meisten erzählen alles andere als alltägliche Geschichten. Der Fotograf Achim Frank Schmidt hat sich zusammen mit der Autorin Kathrin Braun und dem Autor Tim Brügmann auf die Suche begeben nach eben jenen unbekannteren Orten und Gebäuden in München. Gemeinsam haben sie nun im Volk Verlag das Buch „Münchens magische Mauern“ veröffentlicht.

München kennt Achim Schmidt schon seit seiner frühesten Kindheit. Mit zwei Jahren ist er in die Isarmetropole gezogen. Heute arbeitet er als freier Fotograf, unter anderem für den Münchner Merkur und die tz. Dazu fotografiert er Werbekampagnen und, wenn es die Zeit zulässt, macht er internationale Reportagen.
Mit „Münchens magischen Mauern“ wurde ein attraktiver Bildband mit spannenden Texten vorgelegt. Das Buch dürfte selbst eingefleischten Münchnerinnen und Münchnern noch die eine oder andere Überraschung bieten.

Was hat Sie dazu bewogen, Münchens weniger bekannte Ort und Gebäude in dem neuen Buch „Münchens magische Mauern“ vorzustellen?

Achim Schmidt: Neugier war schon immer meine Antriebsfeder. Und die habe ich zum Beruf gemacht. Mit meiner Arbeit als Fotograf habe ich die Legitimation, fast überall mal reinschnuppern zu dürfen. Am Hauptzollamt beispielsweise bin ich jahrelang vorbeigefahren. Immer wenn ich im Zug nach München saß, habe ich mich gefragt, wie das Gebäude wohl von innen aussieht. Ähnlich war es beim Thiersch-Turm der Technischen Universität. Ich habe in dem TU-Gebäude an der Augustenstraße ein paar Semester Geografie studiert. Doch im Turm war ich damals nie. Wie ich nun erfahren habe, war er damals auch noch gar nicht frei zugänglich.

„Neugier war schon immer meine Antriebsfeder. Und die habe ich zum Beruf gemacht.“

Wie lief die Suche und Recherche nach diesen Orten und Gebäuden ab?

Schmidt: Ein paar der Gebäude hatten, wie gesagt, schon immer meine Neugierde geweckt. Als ich mit der Arbeit am Buch begann, wollte ich natürlich von meinen Freunden und Kollegen wissen, ob es ihnen mit anderen Gebäuden ähnlich ging. Und so wurde die Liste länger und länger.

Die meisten Bilder in dem Buch haben einen warmen Farbton. Spricht da Ihre Bildsprache heraus?

Schmidt: Ich denke ja. Ich mag warme, gedeckte Farben, ich mag Weichheit in Bildern. So kann ich in die Magie eines Ortes eintauchen. Natürlich bin ich abhängig von den Räumen, in denen ich fotografiere: Von wo kommt das Licht, wie fällt es. Wie ist die Farbe der Wände, was strahlen sie ab. In der Ohel-Jakob-Synagoge beispielsweise ist das Lichtkonzept einzigartig. Die dreieckigen Waben an der Decke geben dem Licht eine ungemein weiche Beschaffenheit. Ganz anders im Regenrückhaltebecken unter dem Hirschgarten: Dort schaffen einige wenige Lampen in Kombination mit den Säulen eine geheimnisvolle Welt aus Licht und Schatten.

Gibt es einen Lieblingsplatz in München, an dem Sie besonders gern fotografieren?

Schmidt: In München gibt es so viele spannende Orte. Einen einzelnen herauszupicken, funktioniert nicht. Generell fühle ich mich privilegiert durch die Tatsache, dass ich mich jeden Tag mit Schönheit beschäftigen darf. Auch wenn es sich ein bisschen kitschig anhört: Ich habe es geliebt, jeden einzelnen der Orte, die im Buch vorkommen, zu fotografieren.

Manche Orte hatten bzw. haben den Nimbus des „Lost Place“, wie etwa das Aubinger Heizkraftwerk. Sie haben das Kraftwerk noch vor dem Umbau fotografiert. Ein „Lost-Place-Fotograf in München zu sein, ist nicht gerade einfach, oder?

Schmidt: In München nach „Lost Places“ zu suchen, ist inzwischen ein fast aussichtsloses Unterfangen. Mit dem Aubinger Heizkraftwerk hatte ich Glück. Nur ein paar Monate später hätte es schon ganz anders ausgesehen. Erfreulicherweise gibt es in München viele andere Bauwerke, die zwar nicht durch Verfall bestechen, dafür aber mit jeder Menge Pracht und Schönheit. Wenn man spannende Architektur sucht, kann man in München auf alle Fälle fündig werden.

„In München nach ‚Lost Places‘ zu suchen, ist inzwischen ein fast aussichtsloses Unterfangen.“

Der U-Bahnhof in Gern kommt auch in Ihrem Buch vor. München hat viele tolle U-Bahnhöfe. Warum gerade dieser?

Schmidt: Der U-Bahnhof Westfriedhof ist in meinen Augen ganz speziell. Das Lichtkonzept unterscheidet sich doch ziemlich von dem der meisten anderen. Zum einen die Lampen, die aussehen, als ob sie in einem normalen Raum hängen könnten, nur dass sie viel größer dimensioniert sind. Dann die Farben, die sehr intensiv sind und Gegensätze kombinieren – Orange und Gelb mit dem dunklen Blau der Umgebung. Und dann finde ich es spannend – und das ist der Hauptunterschied zu den anderen U-Bahnhöfen –, dass bewusst auch mit dunkleren Bereichen und Schatten gespielt wird. Und darum geht es doch schließlich in der Fotografie – ein Spiel aus Licht und Schatten. Ich finde, so wie die Architektur Münchens früher durch die herausragende Architektur von Friedrich Wilhelm von Gärtner und Leo von Klenze geprägt wurde, hat sich hier der Lichtdesigner Ingo Maurer ein Denkmal gesetzt.

Wo sollte man in München unbedingt hingehen zum Fotografieren, wenn man spontan in der Stadt losziehen möchte?

Schmidt: Da bietet sich so viel an. Allerdings sollte man auch immer auf die Tageszeit achten. Das Maximilianeum beispielsweise wird wunderschön von der Abendsonne beleuchtet und strahlt dann golden auf die Stadt herunter. Die Trambahn-Gleise und das Kopfsteinpflaster davor bieten sich zur Bildgestaltung an. Dann gibt es unglaublich viele schöne Kirchen in der Stadt. Generell finde ich es aber wichtig, darauf zu achten, neue Blickwinkel zu finden und nicht die Bilder zu wiederholen, die es schon gibt. Licht und vor allem Schatten machen aus Bekanntem oft etwas vollkommen Neues.

Gibt es Orte in München, die Sie noch nicht fotografiert haben, die Sie aber noch reizen?

Schmidt: Oh ja, da gibt es schon noch einiges. Die Unterwelt Münchens reizt mich zum Beispiel sehr. Die Arbeit im Regenrückhaltebecken hat da auf alle Fälle viel Neugier geweckt. Und sollte es einen zweiten Teil von „Münchens magischen Mauern“ geben, möchte ich auf alle Fälle die Badenburg fotografieren, ein historisches Badehaus in den Nymphenburger Schlossanlagen. Was ich auch sehr spannend finde, sind alte Klinikräume, vielleicht auch ein Sanatorium. Stellen Sie sich gekachelte Wände vor, historisches medizinisches Werkzeug, alte Liegen. Sowas ist in München allerdings gar nicht mehr so leicht zu finden. Aber ich bin auf der Suche.

Vielen Dank für das Interview.

Interview: Thorsten Naeser
Thorsten Naeser ist Journalist, Fotograf und PR-Referent an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

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