Finanzen

„Wir finanzieren jede Idee, die Erfolg verspricht“

2. September 2020

Die Entscheidung, sich beruflich selbstständig zu machen, gleicht einem Sprung ins kalte Wasser: Sie erfordert Mut, Selbstvertrauen und zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass die neue Firma erfolgreich im Markt besteht. Das StartUp-Center der Stadtsparkasse am Münchner Marienplatz leistet dabei von Anfang an tatkräftige Unterstützung. Unser Interview mit dem langjährigen StartUp-Betreuer Nikola Nikolic macht deutlich, wie dieser Prozess abläuft und worum es dabei geht.

Herr Nikolic, als StartUp-Betreuer beraten Sie angehende Unternehmer*innen vom Start weg zu Finanzierungsmöglichkeiten und anderen Hilfestellungen. Wie sind Sie zu dieser Tätigkeit gekommen? War es die Begeisterung für Gründer*innen mit innovativen Ideen oder hat es sich mehr zufällig ergeben?

Nikola Nikolic: Ich habe mich vor elf Jahren für den Bereich beworben, da er mir interessant und abwechslungsreich erschien und ich unbedingt eng mit Kunden zusammenarbeiten wollte. Ich habe meine Entscheidung bislang nicht bereut und immer noch großen Spaß bei der Sache.

Ist das StartUp-Center eine Dienstleistung, mit der sich die Stadtparkasse München von anderen Instituten abhebt?

Nikolic: Ich denke schon – zum einen schätzen unsere Kunden die langfristige Begleitung durch einen Ansprechpartner, zum anderen bieten wir und unser Haus den Kunden aber auch einen Mehrwert, wie zum Beispiel Gründerpreise, München-Vorteil, den Unternehmertag und mehr.

Woher kommen Ihre Kunden und wie werden Sie auf das StartUp-Center aufmerksam?

Nikolic: Das ist sehr unterschiedlich. Meist haben sich die Kunden vorher informiert, zum Beispiel über unsere Website, die IHK oder andere Quellen, und rufen dann direkt bei uns an. Oft wenden Sie sich aber auch erst mal an eine unserer Filialen und werden von dort an unser StartUp-Center weitergeleitet. Außerdem unterhalten wir enge Kontakte zu den Münchner Hochschulen, also LMU, TUM und Hochschule München – von denen kommen viele Aspiranten direkt zu uns.

„Ein detaillierter Businessplan ist unerlässlich.“

Also von der Hochschule direkt in die Selbstständigkeit?

Nikolic: Ja, das ist heute durchaus keine Seltenheit mehr. Damit so eine Unternehmensgründung von Anfang an richtig läuft, bieten wir in den Hochschulen auch Info-Veranstaltungen an, zum Beispiel im LMU Entrepreneurship-Center.

Und wenn jemand mit einer Start-up-Idee zu Ihnen kommt – wie läuft die Betreuung normalerweise ab?

Nikolic: Am Anfang steht immer die Bedarfsanalyse – also, was plant der Kunde oder die Kundin und wie können wir als Finanzdienstleister dabei helfen? Das wird im persönlichen Gespräch ermittelt, momentan aus den bekannten Gründen auch per Videokonferenz mit der Teams-Software von Microsoft. Alle, die das bisher genutzt haben, sind davon begeistert.

Aber wie prüfen Sie, ob eine Idee auch Erfolg versprechend ist? Das liegt ja im zentralen Interesse beider Seiten.

Nikolic: Klar, das ist natürlich der springende Punkt. Ich selber habe vor allem Kunden aus dem Technologiebereich, also meistens mit stark erklärungsbedürftigen Ideen. Ob und wie die funktionieren, muss ausführlich erläutert und begründet werden. Ein detaillierter Businessplan ist hier unerlässlich.

„Wir haben aber keine Scheuklappen, wir denken modern und sind für alles offen.“

Kommt es auch vor, das Sie sagen: Das ist uns zu neu oder zu ausgefallen – dieses Risiko gehen wir nicht ein?

Nikolic: Natürlich müssen wir die Risiken für unser Haus abwägen – letztlich vergeben wir ja Fremdkapital und erwarten irgendwann die Rückzahlung unserer Kredite. Wir haben aber keine Scheuklappen, wir denken modern und sind für alles offen. Also, wir finanzieren, jede Idee, die Erfolg verspricht. Ich nenne mal ein Beispiel aus der Gastronomie: Dean & David. Da hätte man sagen können: Salate? Das ist doch nichts Besonderes, das kann doch jeder. Aber das Kundenversprechen war in diesem Fall, dass die Salate überall genau gleich zubereitet sind und gleich schmecken – so wie es die großen amerikanischen Fast-Food-Ketten vorgemacht haben. Damit hat sich das Unternehmen sehr schnell etabliert und ist inzwischen eine europaweite Franchise-Kette. Oder nehmen Sie air up: Was die geplant haben, klingt im ersten Moment verrückt, aber es funktioniert und ist erfolgreich.

air up, was ist das genau?

Nikolic: Die haben ein Trinkflaschensystem entwickelt, bei dem Trinkwasser verschiedene Aromen nur über duftende Luft beigemischt werden. Man trinkt also eigentlich nur Wasser, aber durch die Geruchswahrnehmung hat man das Gefühl, es wäre Wasser mit Geschmack. Und das kalorien- und zuckerfrei!

Tolle Idee. Das ist schon mutig, so etwas zu finanzieren.

Nikolic: (Lacht) Das ist dann der nächste Schritt. Für uns sind eher rationale Gründe maßgebend. Wenn uns die Geschäftsidee und das Gründerteam überzeugen, sind wir dabei.

Und wenn Sie überzeugt sind, ja, dafür gibt es einen Markt und das könnte ein erfolgreiches Unternehmen werden?

Nikolic: Dann prüfen wir, wie umfangreich der Finanzbedarf ist und welche Formen der Finanzierung möglich sind, einschließlich öffentlicher Fördermittel – da gibt es ja eine sehr große Vielfalt. Meistens kommt ein Mix aus beidem heraus, also aus Sparkassenkrediten und staatlichen Mitteln. Als interessante Option bietet sich auch Munich Crowd an – das ist ein Programm, mit dem die Landeshauptstadt München Crowdfunding-Kampagnen zur Kapitalbeschaffung finanziell unterstützt. Mit dem eingeholten Kapital können die Gründer ihr Business starten. Gleichzeitig hat in der Regel die Idee Qualität bewiesen. Mit diesen Argumenten hat man dann gute Aussichten auf eine weitere Finanzierung. Wir als Sparkasse schneiden dann gerne eine passende Anschlussfinanzierung zu.

Also welcher Mix auch immer – irgendwann steht die finanzielle Basis und das Unternehmen kann loslegen. Aber danach beginnt ja erst die eigentliche Zusammenarbeit.

Nikolic: Richtig. Wenn die Mittel beantragt und genehmigt sind, begleiten und betreuen wir die StartUp-Firma in den nächsten Jahren intensiv. Das geschieht auf einer sehr vertrauensvollen, fast freundschaftlichen Basis. Mit ungefähr 90 Prozent meiner jungen Kunden bin ich sogar per Du, das ist also ein ganz legeres Verhältnis. Statussymbole sind der jungen Gründergeneration eh fremd – auf Beratung in Anzug und Krawatte legen die keinen Wert.

Das klingt beeindruckend …

Nikolic: Ja, vor Kurzem hatte zum Beispiel ein Hotel, das wir betreuen, einen riesigen Wasserschaden – und die Inhaber waren heilfroh, dass wir ihnen die richtige Versicherung empfohlen hatten, sodass sie nicht auf den Kosten sitzenblieben. Das sind für mich schöne Erfolgserlebnisse. Große Freude macht es mir auch immer, wenn ein neues Unternehmen dank unserer Hilfe Einweihung feiert. Aber das Allerschönste ist es natürlich, wenn das Unternehmen erfolgreich ist. Darum dreht sich bei uns eigentlich alles, dafür sind wir da.