Wenn in düsterem Ambiente ein Augenblick höchsten Schmerzes, sinnlicher Verzückung oder totaler Hingabe ans Göttliche leuchtet, eine Bewegung ebenso lebensecht wie eingefroren erscheint … dann hat man zumeist ein Werk des Frühbarock-Malers Michelangelo Merisi da Caravaggio oder eines seiner Anhänger vor sich. „Ah, dieses Bild muss sicher von einem Caravaggisten sein!“, triumphiert man, wenn man die Gemeinsamkeiten erkennt. Doch schon der zweite Blick offenbart dem aufmerksamen Betrachter eine ganze Palette von spezifischen Unterschieden zwischen den Künstlern – eine Art Emanzipation gar, eine mutige Entwicklung hin zum eigenen Stil, zum eigenen Thema, jedoch stets in höchstem Respekt vor dem Meister.

Ab dem 17. April 2019 sind in der Alten Pinakothek über 70 beeindruckende Werke der bedeutendsten „Caravaggisten“ Seite an Seite ausgestellt. Es ist faszinierend, wie ihre höchst individuelle Interpretation von der jeweiligen Herkunft abhängt. Deshalb ist diese Ausstellung, die die Alte Pinakothek hier in Zusammenarbeit mit dem Centraal Museum in Utrecht auf die Beine gestellt hat, etwas ganz Besonderes. Und deshalb unterstützt die Stadtsparkasse München sie gern als Förderprojekt aus dem PS-Sparen.

Michelangelo Merisi da Caravaggio: stilprägend für junge Künstler

Caravaggio (1571–1610) gilt unter anderem als Entwickler der wegweisenden „Chiaroscuro“-Methode. Mit dieser speziellen Form der Hell-Dunkel-Malerei hob er seine unbeschönigt realistisch gemalten Gestalten förmlich aus der Umgebung heraus, was den Fokus ganz auf einen einzelnen, dramatischen Augenblick lenkt. Als Motive dienten ihm vorrangig sakrale und oft grausame Szenen, doch auch höchst weltliches Alltagsgeschehen bannte er meisterlich auf Leinwand. Dieser unverwechselbare Stil inspirierte zahlreiche junge Künstler in ganz Europa – die sogenannten „Caravaggisten“ eben.

Werke der Utrechter Caravaggisten und ihrer Kollegen aus ganz Europa

Den Kern der Ausstellung bilden Werke der sogenannten „Utrechter Caravaggisten“, darunter Hendrick ter Brugghen (1588–1629), Gerard van Honthorst (1592–1656) und Dirck van Baburen (1595–1624). Man kann sie, trotz der unübersehbaren Orientierung an den Stilelementen ihres italienischen Vorbilds, eindeutig als niederländisch identifizieren. Umso interessanter ist es, sie im Verbund mit den Bildern anderer Caravaggisten aus anderen Teilen Europas zu sehen. Zu nennen sind hier unter anderem der mutmaßliche Caravaggio-Schüler Bartolomeo Manfredi (1582–1622), der Franzose Valentin de Boulogne (1591–1632) sowie der Spanier Jusepe de Ribera (1591–1652) mit seinen anatomisch höchst genauen, zum Teil entsetzlichen Darstellungen, die mit der caravaggistischen Hell-Dunkel-Betonung nochmals an Wucht gewinnen. Weitere Werke stammen etwa von Orazio Gentileschi, Nicolas Régnier, Simon Vouet, Theodoor Rombouts und anderen.

Das vielfältige Programm der Ausstellung

Zeichenworkshops, ein Einführungsfilm, Ausstellungsführungen für Kinder und Erwachsene sowie diverse Kunstvermittlungsaktivitäten runden das Programm ab. Im Mai ist die Malerei Caravaggios Thema einer zweitägigen internationalen Konferenz.

Die unbedingt sehenswerte Ausstellung läuft von 17. April bis 21.Juli 2019 in der Alten Pinakothek, Barer Str. 27, Eingang Theresienstraße. Weitere Infos zur Ausstellung finden Sie unter: