Menschen
12.12.2018
Kaufleute und Künstler wie anno dazumal

Am Wittelsbacherplatz tanzen bald wieder die Morisken und ein Nachtwächter zieht seine Runden. Der Mittelaltermarkt ist unser ganz persönlicher Tipp.

D ie Schupfnudeln mit Rahmschwammerl schmecken sensationell. Das offene Buchenholzfeuer, das aus kleinen Nürnberger Rostbratwürsteln großartige Delikatessen macht, ist einzigartig. Auch die Sau am Spieß und die Knödl, die Bratäpfel, der Schnaps, der Glühwein nach Hausrezept und all die anderen Kehlen- und Gaumenfreuden ziehen die Besucher magnetisch zum Wittelsbacherplatz. Vom 26. November bis zum 23. Dezember heißt es hier nun schon zum 14. Mal: Vorhang auf fürs Münchner Adventsspektakel und den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt. Was hier alles geboten wird, gleicht einer Reise in die Vergangenheit: Elfen aus Märchenwolle, Bücher aus handgeschöpftem Papier, Ritterbedarf und Filzpantoffeln, handbemalte Ikonen, mundgeblasene Glaskunstwerke, Amulette, Kräuter, Schnaps und viele weitere Schätze. Zu den Highlights gehören die Münchner Moriskentänzer, die heuer gleich zwei Mal auftreten. Ihr Vorbild sind die handgeschnitzten Figuren von Erasmus Grasser aus dem Jahr 1480.

Authentizität ist Trumpf auf dem Mittelaltermarkt

Nur Kaufleute und Künstler, die in ein historisches Münchner Marktgeschehen hineinpassen, dürfen mitmachen. Die Buden sind zum Teil aus bis zu 400 Jahre altem Original-Baumaterial. Auf der Bühne dreht sich alles um Kunst und Belustigung wie damals. Mal gibt es mittelalterliche Schuhe zu bewundern, mal erklingen alte Instrumente. Mittelalterliche Rockmusik und lyrische Balladen gehören ebenso zum Programm wie eine Varieté-Gruppe aus Frankreich. „La Compagnie Entr`Act“ hat sich schon zum Publikumsrenner gemausert. Dass zu später Stunde ein Nachtwächter durch die Budengassen läuft, wundert hier natürlich keinen.

Es ist schon ein Glück, dass Diego Ertl vor einigen Jahren die Vision hatte, einen historisch fundierten Adventsmarkt zu erschaffen. Schon als Student begeisterte sich der gebürtige Münchner fürs Mittelalter. „Irgendwann kam mir dann die Idee, einen mittelalterlichen Weihnachtsmarkt aufzubauen“, erzählt er. So einer fehlte bis dato im Stadtbild. Dabei beruft sich Ertl auf eine uralte Tradition: Vorweihnachtliche Märkte mit Handwerkskunst und Zuckerbäckern, gerösteten Kastanien, Nüssen und Mandeln gab es schon im 14. Jahrhundert in Bayern.

Das Spektakel kommt rundum gut an. „Kollegen und Bekannte schwärmen von diesem ganz besonderen Weihnachtsmarkt. Auch jenseits der Stadtgrenze“, berichtet Sebastian Beinhofer von der Stadtsparkasse, der Diego Ertl seit Jahren berät. Für Christian Krimpmann, langjähriger Schirmherr und Bezirksausschussvorsitzender der Maxvorstadt, ist er einer der schönsten in München.
Ein kleiner Auszug aus dem Spielplan:

Samstag, den 15.12.2018
13:45 Uhr Medicus El Corbo mit Bruder Bonifaz und Schwester Aspirina
16:15 Uhr Balestra: ritterlicher Schaukampf
18:00 Uhr Umzug aller Gaukler und Vaganten

Sonntag, den 16.12.2018
12:00 Uhr Lady Sansa von Winterfell und Daenearys Drachentochter auf den Pferden / Fritz der Narr - Possenreißer
13:00 Uhr Tanzaufführung: Vivunto Saltatores
16:30 Uhr Les Contes de Asphaldt: Drachen Ottfried / Sine Tempore: Schnee- und Eiskönigin

Samstag, den 22.12.2018
11:00 Uhr Tri Fabula, Akrobatik auf dem Trapez / Artifex Pulpulus mit Schlafuzius
12:30 Uhr Fausto: Stuhlakrobatik
18:30 Uhr Abendkonzert Minnepack

Sonntag, den 23.12.2018
12:15 Uhr Spielleute Neumentroll in Begleitung der Bauchtanzgruppe Tabassum
14:00 Uhr Walter von der Heiden: babylonische Kartenpyramide
17:00 Uhr El Corbos kleinstes Feuerwerk

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