Business Finanzen

Steuern & Co.: Das ändert sich für Unternehmen 2020

24. Januar 2020

Zum Jahreswechsel stehen wieder einige Änderungen im Steuer-, Sozial- und Arbeitsrecht an. Die wichtigsten Regelungen haben wir hier zusammengefasst.

Neue Regelungen bei der Sozialversicherung

Gesetzliche Renten- und Arbeitslosenversicherung:

  • Die Beitragsbemessungsgrenze steigt auf monatlich 6.900 Euro in den westlichen Bundesländern und 6.450 Euro im Osten.

Gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung:

  • Die Beitragsbemessungsgrenze steigt auf monatlich 4.687,50 Euro.
    Wichtig: Wenn Arbeitgeber diesen Anstieg übersehen und nicht berücksichtigen, werden für Beschäftigte mit höherem Einkommen zu geringe Sozialversicherungsbeiträge abgeführt. Dann können spätestens bei der nächsten Betriebsprüfung erhebliche Nachzahlungen fällig werden.
  • Die Versicherungspflichtgrenze wird auf 5.212,50 Euro angehoben. Erst wer mehr verdient, kann die gesetzliche Krankenkasse verlassen und darf komplett in die Privatversicherung wechseln.

Freibetrag für Leistungen des Arbeitgebers:

  • Der Freibetrag für Gesundheitsleistungen bzw. für Zuschüsse zu Gesundheitsmaßnahmen wird von 500 Euro pro Jahr auf 600 Euro erhöht.

Unfallversicherung:

  • Steuerpflichtige Beiträge zur Gruppenunfallversicherung können pauschal versteuert werden, wenn der durchschnittliche Beitragsaufwand je Mitarbeiter 100 Euro ohne Versicherungssteuer nicht übersteigt (bislang 62 Euro).

Arbeitslosenversicherung:

  • Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung sinkt um 0,1 Prozentpunkt auf 2,4 Prozent.

Pauschalen werden arbeitnehmerfreundlicher

  • Lohnsteuerpauschale: Bei Teilzeitkräften und geringfügig Beschäftigten kann die Lohnsteuer auf 25 Prozent pauschal festgesetzt werden, wenn der durchschnittliche Arbeitslohn pro Arbeitstag 120 Euro nicht übersteigt. Bislang lag diese Grenze bei 72 Euro pro Arbeitstag. Der pauschalierungsfähige durchschnittliche Stundenlohn wird von 12 Euro auf 15 Euro angehoben.
  • Fahrtkostenzuschüsse: Zuschüsse des Arbeitgebers zu den Fahrtkosten, die den Mitarbeitern im öffentlichen Linienverkehr zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte entstehen, werden pauschal mit 25 Prozent versteuert – auch wenn sie nicht zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn, sondern im Wege der Entgeltumwandlung erbracht werden.
  • Jobtickets: Auf ein Jobticket, das Mitarbeiter aus dem Gehalt finanzieren, fallen ebenfalls nur noch 25 Prozent Steuern an. Es bleibt sozialversicherungsfrei. Arbeitnehmer können trotzdem die 30 Cent Entfernungspauschale für den Arbeitsweg absetzen. Zahlt ein Arbeitgeber das Jobticket zusätzlich zum Gehalt, ist es nach wie vor steuerfrei. Die bisherige Anrechnung von Arbeitgeberzuschüssen zu den Fahrkosten und von Jobtickets auf die Pendlerpauschale entfällt.
  • Verpflegungspauschale: Die Pauschalen für Verpflegungsmehraufwendungen werden erhöht – bei einer Abwesenheit von 24 Stunden von 24 Euro auf 28 Euro, bei einer Abwesenheit von mehr als 8 Stunden bzw. für An- und Abreisetage von 12 Euro auf 14 Euro.

Der Mindestlohn steigt um 0,16 Euro

  • 2020 wird der gesetzliche Mindestlohn von 9,19 Euro auf 9,35 Euro je Arbeitsstunde angehoben.

Noch mehr Förderung für Elektromobilität

  • Lieferfahrzeuge: Bei einem neuen Elektro-Lieferfahrzeug mit Erstzulassung 2020 winkt zusätzlich zur normalen Abschreibung eine Sonderabschreibung von 50 Prozent im Jahr der Anschaffung. Die Regelung gilt bis zu einer Gesamtmasse des Fahrzeugs von maximal 7,5 Tonnen.
  • Privat genutzte Firmenwagen: Die Privatnutzung eines reinen Elektro-Firmenwagens wird steuerlich noch stärker gefördert als bisher. Angestellte müssen den geldwerten Vorteil, der ihnen durch die private Nutzung eines elektrischen Dienstfahrzeuges entsteht, jetzt nur noch mit 0,25 Prozent statt wie bisher 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises versteuern.

Neue Anreize in der Berufsbildung

  • Vergütung für Auszubildende: Einem Entwurf des Berufsbildungsgesetzes zufolge soll es eine Mindestvergütung von 515 Euro monatlich im ersten Lehrjahr geben. Die Regelung gilt nur für neu abgeschlossene Lehrverträge.
  • Freistellung für die Berufsschule: Volljährige Auszubildende an Berufsschultagen sollen künftig vom Betrieb freigestellt werden, wenn der Unterricht mindestens drei Stunden und 45 Minuten dauert. Bislang galt diese Regelung nur für minderjährige Auszubildende.
  • Neue Berufsbezeichnungen: Berufliche Abschlüsse sollen international verständliche Zusatzbezeichnungen erhalten. Der Meister soll den Zusatz „Bachelor Professional“ erhalten, ein Betriebswirt im Handwerk die Bezeichnung „Master Professional“, ein Geselle soll sich „Geprüfter Berufsspezialist“ nennen dürfen.

Kleinunternehmer werden stärker entlastet

  • Umsatzsteuerbefreiung: Kleinunternehmer, deren Umsatz im vergangenen Kalenderjahr (tatsächlich) und im laufenden Kalenderjahr (voraussichtlich) bestimmte Beträge nicht überschreitet, sind von der Umsatzsteuer befreit. Der Grenzwert für das vergangene Jahr wurde von bislang 17.500 Euro auf künftig 22.000 Euro angehoben. Der Grenzwert für den voraussichtlichen Umsatz des laufenden Jahres bleibt unverändert bei 50.000 Euro.

Wichtiger Hinweis: Dieser Inhalt stellt keine Rechtsberatung dar. Er dient ausschließlich einer ersten Orientierung. Wir empfehlen Ihnen, im Einzelfall den fachkundigen Rat eines Steuerberaters oder eines Rechtsanwalts einzuholen.